Diese mittelalterliche Stadt bewahrt Frankreichs älteste Herzogsfamilie (und ihr versteckter Marktplatz gilt als der schönste des Landes)

In Uzès ticken die Uhren anders. Diese französische Kleinstadt ist wie ein zeitloses Gemälde, das jeden Besucher in seinen mittelalterlichen Bann zieht. „Uzès ist ein Ort, der dich umarmt, ohne dich zu erdrücken“, verriet mir Claudine, eine lokale Marktverkäuferin, während sie ihre sonnengereiften Tomaten präsentierte. Mit nur 8.000 Einwohnern hat sich dieses Juwel im Süden Frankreichs seine authentische Seele bewahrt – weit entfernt vom touristischen Trubel der Côte d’Azur.

Warum der Place aux Herbes zum schönsten Marktplatz Frankreichs gewählt wurde

Unter Platanen versteckt sich der Herzschlag von Uzès: der Place aux Herbes. Samstags verwandelt sich dieser von Arkaden gesäumte Platz in ein Farbenmeer. „Unsere Märkte sind keine Touristenattraktionen, sondern Teil unserer Lebensweise“, erklärt Jean-Pierre, ein Trüffelverkäufer. Lokale kaufen hier neben Besuchern ein, während das Plätschern des Renaissance-Brunnens die Geräuschkulisse bildet. Ein perfekter Ort, um mit einem Café die provenzalische Lebensart zu genießen.

Das versteckte mittelalterliche Erbe: Ein Spaziergang durch 1000 Jahre Geschichte

Uzès‘ Straßen erzählen Geschichten. Das imposante Herzogtum „Le Duché“ thront seit dem 12. Jahrhundert über der Stadt und beherbergt bis heute die älteste Herzogsfamilie Frankreichs. Die schmalen Gassen führen vorbei an ockerfarbenen Fassaden zu versteckten Innenhöfen. Von der Kathedrale Saint-Théodorit mit ihrem markanten Fénétra-Turm genießt man einen atemberaubenden Blick über die mittelalterliche Festungsstadt der Provence, die ihre Geheimnisse nur langsam preisgibt.

Pont du Gard: Das römische Meisterwerk nur 15 Minuten entfernt

Ein Ausflug zum Pont du Gard ist Pflicht. Dieses römische Aquädukt überbrückt majestätisch den Fluss Gardon und zeugt von außergewöhnlicher Ingenieurskunst. „Das Besondere ist, dass die Römer ohne Mörtel bauten und die Steine allein durch ihr Gewicht halten“, berichtet Touristenführerin Marie. Im kristallklaren Wasser darunter kann man an heißen Sommertagen schwimmen – ein erfrischendes Erlebnis zwischen Jahrtausende alter Geschichte und den Naturschönheiten Südfrankreichs.

Die kulinarischen Schätze der Region: Mehr als nur Olivenöl

„Hier isst man nicht, um satt zu werden, sondern um das Leben zu feiern“, schwärmt Küchenchef Laurent vom Restaurant Racines. Die lokale Küche verbindet Einflüsse aus Languedoc und Provence. Probieren Sie unbedingt die Tapenade mit regionalem Olivenöl, würzigen Pélardon-Ziegenkäse oder im Winter die heiß begehrten schwarzen Trüffel. Besonders authentisch: die Weinverkostung auf dem nahen Weingut Domaine de Saint Firmin mit Blick auf die Weinberge.

Versteckte Ecken abseits des Touristenrummels

Die wahre Magie von Uzès entdeckt man in den Nebengassen. Die Galerie Terra Viva präsentiert zeitgenössische Keramik lokaler Künstler. Ein Spaziergang durch den mittelalterlichen Jardin Médiéval offenbart duftende Kräuter- und Heilpflanzenbeete. Für Naturliebhaber bietet die nahe Gardon-Schlucht, ein UNESCO-Biosphärenreservat, spektakuläre Wanderwege und Kajaktouren. Entdecken Sie auch die weitere Juwelen der Provence in der Umgebung.

Beste Reisezeit: Wann Uzès seine wahre Seele zeigt

Der Spätsommer und Frühherbst offenbaren Uzès‘ authentischsten Charakter. „Im September ist das Licht besonders golden, perfekt für Fotografen“, verrät Fotografin Sophie. Die Temperaturen sind angenehm, die Touristenmassen verschwunden und die Weinlese beginnt. Das Lavendelfest im Juli und der Trüffelmarkt im Januar sind weitere Höhepunkte im Jahreskalender dieser charmanten Stadt, die die authentische provenzalische Dörfer Atmosphäre perfekt einfängt.

Ein süßes Geheimnis: Vom Haribo-Museum zur provenzalischen Konditorei

Überraschend: Uzès beherbergt das erste Haribo-Museum Frankreichs! Der Erfinder der Goldbären lebte einst hier. Für Naschkatzen ein unterhaltsamer Stopp, besonders mit Kindern. Authentischer sind jedoch die traditionellen Süßigkeiten der Region – kosten Sie unbedingt die Calissons (Mandel-Konfekt) oder Navettes (orangenblütenaromatisierte Kekse) in einer der familiengeführten Konditoreien der Altstadt.

Uzès offenbart sich nicht auf den ersten Blick. Wie ein guter Wein braucht diese Stadt Zeit – Zeit, durch verwinkelte Gassen zu schlendern, auf dem Markt zu verweilen, Geschichte zu atmen. Wer einmal hier war, versteht, warum Künstler und Lebensgenießer diesem Ort verfallen. In Uzès entdeckt man nicht nur Frankreich, sondern eine vergessene Lebenskunst, die in unserer hektischen Zeit kostbarer denn je erscheint.