Diese Region in Frankreich ist der letzte wilde Fluss Europas (mit versteckten Höhlenwohnungen, die seit 400 Jahren bewohnt sind)

Loire-Anjou-Touraine: Frankreichs wildeste Flusslandschaft mit versteckten Schlössern und Höhlenwohnungen

Während die Sonne langsam über den Weinbergen aufgeht, gleitet ein traditionelles Holzboot über die spiegelglatte Oberfläche der Loire. „Was die meisten Besucher überrascht, ist die absolute Stille am frühen Morgen“, erklärt Jean-Philippe, ein lokaler Bootführer. „Hier erleben Sie Europas letzte wilde Flusslandschaft in ihrer reinsten Form.“ Der Parc Naturel Régional Loire-Anjou-Touraine erstreckt sich über beeindruckende 270.000 Hektar und vereint das Beste, was Frankreich zu bieten hat: majestätische Schlösser, unberührte Natur und jahrhundertealte Traditionen.

Die geheime Welt der Troglo-Wohnungen: Leben in Tuffstein

Eines der faszinierendsten Merkmale dieser Region sind die troglodytischen Höhlenwohnungen, die in den weichen Tuffstein gemeißelt wurden. Diese „Troglos“ dienten früher als Unterschlupf für Weinbauern, heute sind sie zu außergewöhnlichen Unterkünften umgebaut. „In diesen Höhlen herrscht ganzjährig eine konstante Temperatur von 12 Grad“, verrät Gaston Pelletier, dessen Familie seit vier Generationen in einer solchen Wohnung lebt.

7 Loire-Schlösser, die selbst Versailles in den Schatten stellen

Die Schlösser der Loire sind Zeitzeugen einer prachtvollen Epoche. Das Château d’Azay-le-Rideau spiegelt sich traumhaft im umliegenden Wasser, während Villandry mit seinen geometrisch perfekten Gärten beeindruckt. In Saumur thront eine mächtige Festung über der Stadt, und das versteckte Château de Gizeux überrascht mit handbemalten Wandtäfelungen aus dem 16. Jahrhundert.

Mit dem Kanu durch unberührte Naturlandschaften

Die Loire offenbart ihre Schönheit am besten vom Wasser aus. „Die Sandinseln wechseln nach jedem Hochwasser ihre Position – die Natur ist hier der wahre Architekt“, erklärt Natalie Beaumont, eine Rangerin des Parks. Kanufahrten durch dieses französische Naturparadies ermöglichen unvergessliche Begegnungen mit Bibern, Eisvögeln und den über 200 Vogelarten, die hier heimisch sind.

Die letzte Heimat französischer Königinnen

Die beeindruckende Fontevraud Abbey birgt ein besonderes Geheimnis: Hier ruhen die Grabmäler von Eleanor von Aquitanien und Richard Löwenherz. „Diese Abtei war über Jahrhunderte ein Rückzugsort für Frauen mit Macht und Einfluss“, verrät die Historikerin Marie Dubois. Heute verbindet das Kloster mittelalterliche Architektur mit zeitgenössischer Kunst auf einzigartige Weise.

Kulinarische Wunder zwischen Wein und Fluss

Die lokale Küche ist eine Offenbarung für Feinschmecker. In kleinen Dorfrestaurants werden Forellen aus der Loire mit Safran aus der Region serviert. Dazu ein Glas Chinon oder Saumur – Weine, die auf den Kalkhängen der Umgebung gedeihen. „Unsere Philosophie ist einfach: Was zusammen wächst, passt auch zusammen“, sagt Sternekoch Bernard Fouquet.

Auf den Spuren der Korbflechter und Flussschiffbauer

Traditionelles Handwerk erlebt in der historischen Loire-Region eine Renaissance. In Montsoreau können Besucher den Korbflechtern bei ihrer filigranen Arbeit zusehen und in Candes-Saint-Martin zeigen letzte Flussbootbauer, wie die traditionellen „Toues“ entstehen – Holzboote, die seit Jahrhunderten zum Bild der Loire gehören.

Die ideale Reisezeit für deutsche Entdecker

Der Park zeigt sich von April bis Oktober von seiner schönsten Seite. „Der September ist meine liebste Zeit“, schwärmt Christine Weber, eine deutsche Auswanderin, die seit 15 Jahren Führungen anbietet. „Die Weinlese beginnt, die Touristenmassen sind verschwunden, und die Natur färbt sich golden.“ Die Anreise aus Deutschland gelingt bequem über die Flughäfen Tours oder Angers.

Nachhaltig unterwegs im Einklang mit der Natur

Der Trend zu Naturschätzen Frankreichs wächst stetig. Hier verbindet sich Naturschutz mit authentischen Erlebnissen. Auf markierten Radwegen erkundet man die Region klimafreundlich, während lokale Gastgeber mit dem Siegel „Valeurs Parc“ für nachhaltigen Tourismus stehen.

Zwischen majestätischen Schlössern und wilder Flusslandschaft offenbart sich im Loire-Anjou-Touraine ein Frankreich jenseits der Postkartenmotive. Hier, wo die Zeit langsamer zu fließen scheint als der mächtige Strom selbst, findet man jene seltene Mischung aus Kultur und Natur, die unter die Haut geht und noch lange nachklingt.