Ein Labyrinth aus smaragdgrünen Wasserstraßen, in dem die Zeit stillzustehen scheint – willkommen im Marais Poitevin, Frankreichs „Grünem Venedig“. Dieses verborgene Naturjuwel im französischen Westen bietet mehr als nur pittoreske Bootsfahrten. Mit dem Ramsar-Label ausgezeichnet, beheimatet dieses 200.000 Hektar große Feuchtgebiet über 250 Vogelarten und ein faszinierendes kulturelles Erbe, das nur darauf wartet, entdeckt zu werden.
Ein venezianisches Märchen mitten in Frankreich
Zwischen den Regionen Vendée, Deux-Sèvres und Charente-Maritime erstreckt sich ein verschlungenes Netzwerk aus Wasserkanälen, das von dichtem Grün überwuchert wird. „Unser Marais trägt nicht umsonst den Namen ‚Grünes Venedig'“, erzählt Marie Durand, eine lokale Bootsführerin. „Im Frühling und Sommer reflektiert das Sonnenlicht auf dem Wasser und lässt die Blätterdächer in tausend Grüntönen funkeln – ein Anblick, den man nie vergisst.“
Mit dem Flachboot durch die Geschichte gleiten
Die traditionellen „barques plates“ sind der authentischste Weg, um das Sumpfgebiet zu erkunden. Diese flachen Holzboote werden mit langen Stangen durch die schmalen Kanäle gestakt und bieten intime Einblicke in eine Landschaft, die seit dem 10. Jahrhundert von Menschenhand geformt wurde. Alternativ können Abenteuerlustige das weitläufige Kanalnetz auch per Kajak oder Kanu auf eigene Faust erkunden.
Ein Naturschutzgebiet von internationalem Rang
Seit seiner Auszeichnung mit dem Ramsar-Label hat der Parc Naturel Régional eine Vorreiterrolle im Naturschutz übernommen. Ähnlich wie die Baie de Somme im Norden Frankreichs beeindruckt der Marais durch seine ökologische Vielfalt. „Der Park entwickelt kontinuierlich neue Initiativen für 2025, um die empfindlichen Ökosysteme zu schützen und gleichzeitig nachhaltigen Tourismus zu fördern“, erklärt Parkdirektor Philippe Martin.
Vogelparadies für Naturbegeisterte
Ornithologen kommen im Marais Poitevin voll auf ihre Kosten. Mit über 250 Vogelarten, darunter seltene Zugvögel, bietet das Gebiet spektakuläre Beobachtungsmöglichkeiten. Besonders das Niort Ornithological Park begeistert mit seinen Beobachtungsstationen und fachkundigen Führungen.
Die versteckten Perlen des Sumpflandes
Abseits der bekannten Routen warten wahre Schätze. Die charmanten Dörfer Coulon und Arçais, oft als „Hauptstädte“ des Marais bezeichnet, verzaubern mit steinerner Architektur und blumengeschmückten Brücken. Historisch Interessierte sollten die beeindruckende Abbaye Saint-Pierre de Maillezais besuchen, deren Ruinen von der bewegten Geschichte der Region zeugen – ähnlich majestätisch wie das Château de Saumur an der Loire.
Kulinarische Entdeckungen zwischen Wasser und Land
Die regionale Küche vereint Einflüsse vom Atlantik und dem fruchtbaren Umland. Fangfrische Meeresfrüchte und saftige „Mojettes“ (weiße Bohnen) gehören zu den lokalen Spezialitäten. Im Restaurant „Au Fil de l’Eau“ in Coulon serviert Chef Laurent Baudouin moderne Interpretationen traditioneller Gerichte: „Unsere Küche erzählt Geschichten vom Leben im Marais – von den Fischern bis zu den Bauern, die seit Generationen diese Landschaft prägen.“
Unterwegs im französischen „Wassergarten“
Die beste Reisezeit liegt zwischen April und Oktober, wenn milde Temperaturen und blühende Vegetation den Marais Poitevin in seiner ganzen Pracht zeigen. Eine Entdeckungstour lässt sich wunderbar mit einem Besuch im Loire-Anjou-Touraine Naturpark verbinden – beide Regionen zeigen Frankreichs natürliche Vielfalt von ihrer beeindruckendsten Seite.
Ein authentisches Naturerlebnis für deutsche Reisende
Für Besucher aus Deutschland bietet der Marais Poitevin die perfekte Kombination aus strukturierter Naturerfahrung und französischem Savoir-vivre. Geführte Touren werden in mehreren Sprachen angeboten und der gut ausgebaute Radwegenetz entspricht deutschen Qualitätsansprüchen. Eine nachhaltige Alternative zum überlaufenen Mittelmeer, nur einen Flug nach Nantes oder La Rochelle entfernt.
Im Marais Poitevin verschmelzen Natur und Kulturgeschichte zu einem einzigartigen Erlebnis. Hier findet man nicht nur atemberaubende Landschaften, sondern auch die beruhigende Gewissheit, dass manche Orte der hektischen Moderne noch trotzen. Wer einmal durch die grünen Kanäle gleitet, während Reiher majestätisch über dem Wasser kreisen, versteht, warum diese „Grüne Venedig“ zu den kostbarsten Naturschätzen Europas zählt.